U19 verliert – Teamgeist gewinnt
Wer am Freitagabend in Schöneiche das Topspiel der Landesklasse verfolgte, sah zwei Mannschaften, die guten Fußball spielten, leidenschaftlich kämpften und alles auf dem Platz ließen – leider mit dem besseren Ende für Germania Schöneiche.
Dabei waren die Voraussetzungen für unsere SG alles andere als einfach. Gleich 17 Spieler fehlten krankheits-, verletzungs- oder urlaubsbedingt. Die verbliebene Mannschaft, verstärkt durch gleich acht Spieler aus der B-Jugend, zeigte dennoch eine überragende Leistung, verteidigte mit Leidenschaft und bot dem Favoriten aus Schöneiche über weite Strecken eindrucksvoll Paroli.
Schiedsrichter im Mittelpunkt
Bereits im Vorfeld sorgte die Ansetzung von Schiedsrichter Patrick Weigel für Verwunderung. Schöneiches Trainer Berg hatte beim Staffelleiter und Verband eigens für diese Partie ein Schiedsrichtergespann mit zwei Linienrichtern angefordert.
Wer darüber den Kopf schüttelt, erfährt damit leider auch eine bittere Realität des Amateurfußballs: In der Landesklasse Ost, immerhin der zweithöchsten Spielklasse des FLB, wird in der Regel nur ein Schiedsrichter angesetzt. Ein strukturelles Problem, das den Fußball in der Breite belastet.
Wenn dann noch Leistungen wie von Sportskamerad Weidel dazukommen, wie an diesem Abend, wächst das Verständnis dafür, warum sich immer weniger junge Menschen für das Schiedsrichterwesen begeistern können.
Freistoßtore ebnen Schöneiche den Weg
Unsere SG begann mutig, aggressiv und setzte die von Trainer Moldenhauer ausgegebene Marschroute hervorragend um. Im Zentrum lieferten Schaefer und Steinhauer ein starkes Spiel ab – zweikampfstark gegen den Ball und immer wieder mit guten Aktionen nach vorne.
Auf den Außenbahnen starteten mit Baumann und Danowski zwei Spieler, die sich ihren Platz in der A-Jugend in den vergangenen Wochen mit harter Arbeit und großem Einsatz verdient haben.
So war es bezeichnend, dass Germania Schöneiche erst durch einen Freistoß in Führung ging (21.). Aus dem Spiel heraus ließ unsere SG zunächst nur wenig zu. Kapitän Tiedt, Engmann und Trzaskowski stemmten sich mit großem Einsatz gegen die Offensivbemühungen der Gastgeber.
Warum es den Freistoß überhaupt vorausgehend gab, blieb allerdings das Geheimnis des Schiedsrichters.
Nach dem 1:0 ließ sich unsere Mannschaft nicht beeindrucken. Sie rannte weiter an, spielte mutig nach vorne und kam zu guten Möglichkeiten.
Ein Freistoß von Fremd konnte der gegnerische Torwart nur nach vorne abwehren, Baumann setzte den Nachschuss allerdings über das Tor.
Für großen Unmut sorgte wenig später eine strittige Szene: Paul Thomas lief allein auf das gegnerische Tor zu, wurde von zwei Verteidigern in die Zange genommen und zu Fall gebracht – der Pfiff blieb jedoch aus. Thomas musste anschließend mit blutender Lippe am Spielfeldrand behandelt werden.
Thomas belohnt eine starke Mannschaft
In der Halbzeitpause änderte Moldenhauer nichts, sondern appellierte an seine Mannschaft, weiter füreinander zu kämpfen, nicht nachzulassen und an sich zu glauben. Seine Spieler hörten zu – und belohnten sich.
In der 53. Minute war es dann eine pure Willensleistung: Nach einem weiten Einwurf von Schaefer drückte Paul Thomas den Ball zum hochverdienten 1:1 über die Linie.
In den folgenden 20 Minuten entwickelte sich ein packendes, intensives und hochklassiges Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Ein offener Schlagabtausch, der den Zuschauern echten Landesklasse-Fußball auf gutem Niveau bot.
„In den ersten 25 bis 30 Minuten der zweiten Halbzeit sind wir sehr gut im Spiel und belohnen uns mit dem 1:1. Mit etwas Spielglück machen wir in dieser Phase auch das 2:1. Da waren wir aber leider nicht konsequent genug oder zu überhastet“, sagte Moldenhauer nach dem Spiel.
Die Partie kippt
Dann aber bekam die Partie aus Sicht unserer SG eine bittere Wendung.
„Plötzlich war der Schiedsrichter wieder im Spiel und pfeift gefühlt jede Situation gegen uns. Erst die Gelbe Karte gegen Lenny Tiedt – ein absoluter Witz. Dann pfeift er das nächste Foul gegen uns, obwohl sich die Spieler kaum berühren, und aus dem folgenden Freistoß fällt das 2:1 für Schöneiche. Wir verteidigen den zweiten Ball nicht gut, aber zwei Spieler von Schöneiche stehen klar im Abseits. Unglaublich, dass wir dann auf diese Weise bezwungen werden. Das ist brutal schade für meine Mannschaft. Der Schiedsrichter hatte keinen guten Tag. Mehr will ich dazu nicht sagen.“
Auch beim 3:1 fehlte unserer SG in der Defensive kurz die Ordnung.
„Das 3:1 verteidigen wir nicht gut, da fehlt uns die Zuordnung. Das kann passieren, daraus werden die Jungs lernen. Schade ist, dass wir Lenny dann auch noch mit Gelb-Rot verlieren. Das war ein normaler Zweikampf in der Luft – keine Arme, kein Foul, nichts. Beide springen einfach zum Ball. Er wird uns gegen Strausberg fehlen. Der Junge hat ein geiles Spiel gemacht und war eine absolute Bank im Zentrum.“
Den Schlusspunkt setzte dann ein unglückliches Eigentor in der letzten Minute der Nachspielzeit. Nach einer Hereingabe vor das Tor beförderte Trzaskowski den Ball bei einem missglückten Klärungsversuch ins eigene Netz – der 4:1-Endstand.
Stolz trotz Niederlage
Trotz der deutlichen Niederlage überwog nach dem Abpfiff nicht die Enttäuschung, sondern der Stolz.
„Glückwunsch an Schöneiche. Der Sieg geht insgesamt in Ordnung. Ich muss meinen Jungs aber ein riesiges Kompliment machen. Sie haben gefightet, sie haben alles reingehauen. Was will man als Trainer mehr? Wenn die Stimmung nach dem Spiel trotzdem gut ist und niemand den Kopf hängen lässt, dann sagt das viel über den Charakter dieser Mannschaft aus. Die Jungs sind einfach heiß auf das Rückspiel. Und ich bin unfassbar stolz auf sie – darauf, wie sie heute gespielt haben und wie sie mit dieser Niederlage umgehen. Das zeugt von starkem Charakter.“
Am Ende stand eine Niederlage auf dem Papier.
Doch wer an diesem Abend genau hinsah, konnte etwas anderes erkennen: Teamgeist, Zusammenhalt und eine Mannschaft, die trotz aller Widerstände ein starkes Zeichen gesetzt hat. Weiter geht es nach den Ferien beim FC Strausberg.
Bild zur Meldung: U19 mit hohem Teamspirit